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Was
wir heut dekorieren, wird sie morgen interessieren!
In
meiner Lehrzeit war ich ja an die Arbeit eines Wanderdekorateurs
gewohnt. So wechselte ich mit den Jahreszeiten von Filiale zu Filiale,
um die Schaufenster zu aktualisieren. So auch in Berlin. Zum Saisonschluss
wurden die Werke von unseren Chefs bewertet. 5,0 Punkte waren die
Höchstnote, wie beim Eiskunstlaufen. Wie ehrgeizig war ich und viele
andere Kollegen, um gute Bewertungen zu bekommen. Wie in der Schule,
wenn Aufsatznoten bekannt gegeben wurden, lag eine Spannung in der
Luft, wenn unsere Chefs die Bewertungen verlasen. Zuvor, wie so
oft bei Arbeitsbesprechungen, musste man das Thema Zivilverteidigung
über sich ergehen lassen. "Wie verhalte ich mich bei einem Atomschlag."
Mit ein bisschen Seife und Wasser konnte man sich angeblich "dekonterminieren",
manche glaubten auch noch den Blödsinn. Meistens wurden Knoten geübt,
die man an den Seilen brauchte, um Verwundete zu retten. Am Ende
unserer Arbeitsberatung, bevor die Mädels wieder in ihre Verkaufsstellen
ausschwärmen, stellt unser Grafiker heimlich die Frage: "Was hat
der HO- Verkaufsstellenleiter mit einem Astronauten gemeinsam?"
"Sie tragen eine hohe Verantwortung für die staatliche Handelsorganisation".
"Sie wollen hoch hinaus?", frage ich. "Alles falsch. Ihr Dekomäuse
müsst es doch besser wissen. Verkaufsstellenleiter und Astronauten
kennen sich sehr gut im leeren Raum aus". Nach dem üblichen Witze
wechseln, ging's an die neue Deko. Dekodraht im Saum bringt frischen
Wind im Modetraum! 1977 Mein Arbeitsbereich war neben der Jugendmode
noch kleinere Objekte in die Schönhauser Allee, auf und ab bis Pankow
Kirche. Die Herrenkonfektion benötigte seine Zeit. Das Seidenpapier
wurde wie eine Ziehharmonika zusammengefaltet und äußerst vorsichtig
mit einer Federleiste in die Sakkoärmel einführt bis absolut keine
Falte mehr zu sehen war. Selbst später als die steifen Büsten ohne
Kopf durch lebensnahe Vollfiguren ersetzt wurden, verzichtete ich
nicht auf das Seidenpapier, um den Männerfiguren ein paar Muskeln
zu zaubern. Wenn reklamierte Exquisitschuhe preiswert an das Personal
abgegeben wurden, gab es eine riesige Aufregung. Der Zickenalarm
brach aus. Wenn man teure Exschuhe für ein paar DDR Mark bekam,
war es wie Weihnachten. Ein kleiner Ausgleich für den geringen Lohn
in DDR-Mark, in DM, in Euro, egal: damals wie heute, im Handel wird
eher schlecht bezahlt. Gegenüber in der Karl-Marx-Allee waren ein
großer Fischladen und der Polenladen. Da wir uns mit den Verkäuferinnen
dort angefreundet hatten, gab es auch mal Aal aus Rostock und Champignons
aus Polen. Wenn die dicke Fischverkäuferin Dagmar zum Beispiel Jeans
suchte, war das Kollektiv bemüht, sie in die Richtige von zehn in
Frage kommenden zu zwängen, egal wie. Nach dem Motto: "Du gibst
mir, und ich gebe dir", man kann ja nicht wissen, was man mal braucht?
Und da die DDR so klein war, traf man sich ohnehin immer wieder.
Wenn Daggi wieder ging, nahm sie den Fischgeruch und unsere Bestellungen
fürs Wochenende mit. Bück-Klamotten gegen Bück-Linge und andere
seltene Fischarten der DDR. Ab und an spendierten wir Daggi in unserem
Stamm-Cafe "Sibylle" auf der gegenüberliegenden Seite der Kalle
Malle einen Schwarzwälder Kirsch Eisbecher mit viel Sahne. Sie den
Kaffee als Dank für ihre Verkleidung. Cafe " Sibylle" gibt es heute
noch.
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